Verstoßen. Die Wege der jüdischen Kinder und Jugendlichen aus dem Gau Tirol-Vorarlberg 1938-1945

Gerda Hofreiter: Verstoßen. Die Wege der jüdischen Kinder und Jugendlichen aus dem Gau Tirol-Vorarlberg 1938-1945. 2024.

Abstract

HOFREITER: „Verstoßen. Die Wege der jüdischen Kinder und Jugendlichen aus dem Gau Tirol-Vorarlberg 1938-1945“, Innsbruck Wien 2023
Die Autorin hat viel Recherchearbeit betrieben, um die Wege und die Entwicklung von 101 Kindern und Jugendlichen, die in der Zwischenkriegszeit geboren wurde und während der Naziherrschaft vertrieben wurden zu beschreiben.
Die Ausführungen beginnen mit der Beschreibung der Hintergründe dieser Zeit. Im Mittelalter gab es nur vereinzelt jüdische Familien in Tirol und Vorarlberg. Die heutigen Bundesländer besaßen auch ein gemeinsames Rabbinat. Nachdem die lokale Grafschaft 1759 an das Haus Habsburg gefallen war, gehörte Hohenems mit dem Sitz des Rabbinats zu Freiburg im Breisgau. Der Lebensmittelpunkt der Juden verlagerte sich und das Rabbinat Hohenems wurde 1914 nach Innsbruck verlegt. Generell hat die Zahl der Juden mit dem Staatsgrundgesetz von 1867, nachdem alle Bürger gleiche Rechte bekamen, zugenommen. Durch die Schaffung der Eisenbahn von Wien nach Innsbruck wirkte sich der Zuzug von Juden aus dem Osten auch auf Tirol aus. Waren 1867 nur 7 Familien in Innsbruck heimatberechtigt gemeldet, so waren es 1934 365.
1938 wurde mit der Naziherrschaft das Judentum verdrängt. „Juden durften nicht abstimmen, nicht beflaggen und Ende Juli wurde sogar das Tragen von Dirndlkleidern und Lederhosen verboten. Auch öffentliche Anstalten und Gärten mussten sie meiden.“ (Seite 30) Jüdische Kinder durften nicht mehr in die Schule gehen und Juden wurden abgeschoben, beziehungsweise flüchteten. Die europäischen Fluchtländer waren Ungarn, Italien, die Schweiz, Frankreich, Niederlande, Schweden, Litauen, Tschechoslowakei. Darüber hinaus war das Ziel in Übersee wie Amerika, Palästina, England und Südamerika. Manche Länder – wie die Niederlande – organisierten eigene Kindertransporte. Viele kamen aber auch in KZs. Aus Tirol und Vorarlberg waren es 16 Kinder, von denen 15 starben.
Im zweiten Teil des Buches wird die Flucht und der Werdegang von über 100 Kindern beschrieben. Jede einzelne Geschichte wäre ein eigenes Buch. Heute unvorstellbaren Ängsten und Problemen waren die Kinder ausgesetzt. Auch die Ankunft im Asylland und das Missen der Heimat Tirol oder Vorarlberg werden von den Betroffenen erzählt oder von Freunden und Bekannten wiedergegeben. Manche von den Kindern hatten Glück und kamen noch frühzeitig über die grüne Grenze. Viele von ihnen waren Teil von Kindertransporten. Das Zielland der Kindertransporte war oft nicht das Endziel. Nachdem etwa die Niederlanden von den Nazis besetzt wurde, mussten sie weiter fliehen. Viele der Kinder reisten unbegleitet in Zügen und Schiffen. Manche bis Palästina oder Amerika. Leider landeten aber auch einige in einem Konzentrationslager und viele von ihnen kamen ums Leben.
Die Autorin, Frau Gerda Hofreiter, erzählt nach jahrelanger Recherchearbeit auch vom Aufbau eines neuen Lebens in der Fremde. Viele suchten später nach ihren Verwandten und manche kehrten auch in die alte Heimat zurück.

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    1938 wurde mit der Naziherrschaft das Judentum verdrängt. „Juden durften nicht abstimmen, nicht beflaggen und Ende Juli wurde sogar das Tragen von Dirndlkleidern und Lederhosen verboten. Auch öffentliche Anstalten und Gärten mussten sie meiden.“ (Seite 30) Jüdische Kinder durften nicht mehr in die Schule gehen und Juden wurden abgeschoben, beziehungsweise flüchteten. Die europäischen Fluchtländer waren Ungarn, Italien, die Schweiz, Frankreich, Niederlande, Schweden, Litauen, Tschechoslowakei. Darüber hinaus war das Ziel in Übersee wie Amerika, Palästina, England und Südamerika. Manche Länder – wie die Niederlande – organisierten eigene Kindertransporte. Viele kamen aber auch in KZs. Aus Tirol und Vorarlberg waren es 16 Kinder, von denen 15 starben.
    Im zweiten Teil des Buches wird die Flucht und der Werdegang von über 100 Kindern beschrieben. Jede einzelne Geschichte wäre ein eigenes Buch. Heute unvorstellbaren Ängsten und Problemen waren die Kinder ausgesetzt. Auch die Ankunft im Asylland und das Missen der Heimat Tirol oder Vorarlberg werden von den Betroffenen erzählt oder von Freunden und Bekannten wiedergegeben. Manche von den Kindern hatten Glück und kamen noch frühzeitig über die grüne Grenze. Viele von ihnen waren Teil von Kindertransporten. Das Zielland der Kindertransporte war oft nicht das Endziel. Nachdem etwa die Niederlanden von den Nazis besetzt wurde, mussten sie weiter fliehen. Viele der Kinder reisten unbegleitet in Zügen und Schiffen. Manche bis Palästina oder Amerika. Leider landeten aber auch einige in einem Konzentrationslager und viele von ihnen kamen ums Leben. 
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