Der zweite Jakob

Norbert Gstrein: Der zweite Jakob. 2023.

Abstract

GSTREIN, Norbert: „Der zweite Jakob“, München 2022
Es ist ein angenehm zu lesender Roman. Es geht um einen Schauspieler. Ein Tiroler, der eine internationale Karriere machte und sogar in Amerika Filme gedreht hat. Er war drei Mal verheiratet. Aus einer Ehe stammt seine Tochter. Nach der Scheidung konnten sich die Eltern nicht einigen bei wem sie bleiben wird, und machten den Kompromiss, sie nach England in eine Internatsschule zu schicken. Erst später kommt sie zum Schauspieler nach Innsbruck und wohnt einige Jahre bei ihm. Er versucht seine Tochter zu verwöhnen, sie zieht aber zu einem Freund. Den ersten Freund gab er viel Geld, damit er sich von seiner Tochter trennte, weil er Rauschgiftsüchtig ist. Beim zweiten machte sie einen Selbstmordversuch. Der Vater hat Schuldgefühle. Er fragt sich, was er falsch gemacht hat. Bei einem seiner Filme in New Mexico begleitete er eine Schauspielerkollegin. Sie führte eine Frau zu Tode und die beiden flüchteten. Irgendwann erzählte er diesen Vorfall auch seiner Tochter. Sie war entsetzt. War dies der Anlass, dass sie depressiv wurde und nicht mehr leben wollte? Auch eine Rolle, in der er einen Mörder spielte, verunsicherte die Tochter.
Als die Tochter vom Krankenhaus entlassen wird zieht sie zu einer Freundin des Schauspielers und wünscht sich dann die Finanzierung einer Reise mit dem Freund nach Amerika. Für den Vater – so die Meinung der Tochter – spielt Geld keine Rolle. Ganz im Gegenteil. Er sagt von sich selbst „Geld spiele für mich ja keine Rolle oder bloß die, dass ich mich gern damit brüste, dass es keine spiele, und am liebsten Freund und Feind mit meinem dicken Portemonnaie beschäme.“ (Seite 307) In Amerika recherchiert sie an der Stelle, an der die Frau überführt wurde.
Sehr ausführlich wird das schlechte Gewissen des Schauspielers abgehandelt. Die junge serbische Schriftstellerin Barbie Markovic sagte in einem Radiointerview, dass sie ihre älteren Dichterkollegen als weitschweifige Schreiber empfinde, die lange brauchen, bis sie zur eigentlichen Sache kommen. Das trifft in diesem Buch auch Gstrein, der manche Situationen über viele Seiten hinweg erklärt, obwohl man als Leser schon alles verstanden hat.
Am Ende sind noch zwei Kapitel angehängt. Mit einem „Warum alles anders ist II“ konnte ich nicht feststellen, wie es zum Thema des Romans gehört. Beim zweiten – „Ein Kind im Winter“ -, das auch nach der Überschrift „Ende“ kommt, besucht der Schauspieler mit seiner Tochter sein Heimatdorf. Die Gemeinde ehrte ihn anlässlich seines 50. Geburtstags. Eine kitschige Statue wird ihm gewidmet. Er weiß nicht, ob es eine Verhöhnung oder Ehrung ist. Hier lernt die Tochter den Onkel des Vaters kennen, der ebenfalls Jakob heißt. Daher der Titel des Buchs „Der zweite Jakob“. Dieser zweite Jakob ist ein Eigenbrötler, der oft monatelang einsam und allein in einem Keller wohnt. Die Großmutter des Schauspielers hat ihrem Enkel – dem Schauspieler viel Geld vererbt (das sie als Schwarzgeld im Hotelbetrieb eingenommen hatte) und bat ihn als Gegenleistung sich um ihren Sohn Jakob (= zweiter Jakob) zu kümmern. Er hatte diesen Wunsch der Großmutter vernachlässigt und fand den Onkel nur schrullig. Die Tochter fand ihn aber verehrenswert und berichtet dem Vater „Er ist ein wunderbarer Mann.“ (Seite 440) Sie legt noch eins nach und sagt dem Vater ins Gesicht „Hast du dir einmal überlegt, dass dein Onkel Jakob sein Leben vielleicht besser hinbekommen hat als du?“ (Seite 440)

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    Als die Tochter vom Krankenhaus entlassen wird zieht sie zu einer Freundin des Schauspielers und wünscht sich dann die Finanzierung einer Reise mit dem Freund nach Amerika. Für den Vater – so die Meinung der Tochter – spielt Geld keine Rolle. Ganz im Gegenteil. Er sagt von sich selbst „Geld spiele für mich ja keine Rolle oder bloß die, dass ich mich gern damit brüste, dass es keine spiele, und am liebsten Freund und Feind mit meinem dicken Portemonnaie beschäme.“ (Seite 307) In Amerika recherchiert sie an der Stelle, an der die Frau überführt wurde.
    Sehr ausführlich wird das schlechte Gewissen des Schauspielers abgehandelt. Die junge serbische Schriftstellerin Barbie Markovic sagte in einem Radiointerview, dass sie ihre älteren Dichterkollegen als weitschweifige Schreiber empfinde, die lange brauchen, bis sie zur eigentlichen Sache kommen. Das trifft in diesem Buch auch Gstrein, der manche Situationen über viele Seiten hinweg erklärt, obwohl man als Leser schon alles verstanden hat.
    Am Ende sind noch zwei Kapitel angehängt. Mit einem „Warum alles anders ist II“ konnte ich nicht feststellen, wie es zum Thema des Romans gehört. Beim zweiten – „Ein Kind im Winter“ -, das auch nach der Überschrift „Ende“ kommt, besucht der Schauspieler mit seiner Tochter sein Heimatdorf. Die Gemeinde ehrte ihn anlässlich seines 50. Geburtstags. Eine kitschige Statue wird ihm gewidmet. Er weiß nicht, ob es eine Verhöhnung oder Ehrung ist. Hier lernt die Tochter den Onkel des Vaters kennen, der ebenfalls Jakob heißt. Daher der Titel des Buchs „Der zweite Jakob“. Dieser zweite Jakob ist ein Eigenbrötler, der oft monatelang einsam und allein in einem Keller wohnt. Die Großmutter des Schauspielers hat ihrem Enkel – dem Schauspieler viel Geld vererbt (das sie als Schwarzgeld im Hotelbetrieb eingenommen hatte) und bat ihn als Gegenleistung sich um ihren Sohn Jakob (= zweiter Jakob) zu kümmern. Er hatte diesen Wunsch der Großmutter vernachlässigt und fand den Onkel nur schrullig. Die Tochter fand ihn aber verehrenswert und berichtet dem Vater „Er ist ein wunderbarer Mann.“ (Seite 440) Sie legt noch eins nach und sagt dem Vater ins Gesicht „Hast du dir einmal überlegt, dass dein Onkel Jakob sein Leben vielleicht besser hinbekommen hat als du?“ (Seite 440)
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