Der Stoff – Dinge des Lebens

Monika Helfer: Der Stoff - Dinge des Lebens. 2024.

Abstract

HELFER, Monika: „Der Stoff – Dinge des Lebens“, Salzburg Wien 2024
Die Schriftstellerin schreibt in der Serie „Dinge des Lebens“ über Stoff. Stoff, der für unsere Kleidung verwendet wird. Ich habe alle Bücher von Monika Helfer gelesen, aber aus Romanen erfährt man oft wenig oder nichts über diejenige, die ihn geschrieben hat. In diesem Büchel outet sie sich und schreibt persönlich über ihre Beziehung zu Stoffen.
Vieles hat sie selbst geschneidert oder aus alten Sachen umgeändert. Monika Helfer liebte selbstentworfene Kleider. Stangenware verabscheute sie. Einerseits wegen der Kosten und andererseits, weil es andere das Gleiche tragen konnten.
Im Kapitel „Die Magie der Stoffe“, erfährt man von ihrer Liebe zu Textilien und dass sie diese gesammelt hat. Bei der Besitzerin eines Kurzwarengeschäfts bekam sie oft Stoffreste geschenkt. Sie schnitt daraus jeweils ein Stück in der Größe von zehn mal zehn Zentimeter heraus und klebte sie in ein Schulheft. Für sie waren Stoffe ein Sammelobjekt. Die Hefte zum Einkleben hatte sie mit Geld, das sie der Großmutter gestohlen hatte, gekauft. Von der Großmutter hatte sie die Idee eines Stoffbuchs. Diese hatte es als junges Mädchen von einer Frau bekommen, bei der sie gearbeitet hatte. Die Großmutter hatte immer glücklich gelächelt, wenn sie einen schönen Stoff sah oder berührte. Als die Arbeitgeberin ihr das Stoffbuch gab sagte sie: „Weil ich nie so ein glückliches Gesicht gesehen habe wie deines. Das verdient die Welt gar nicht.“ (Seite 22)
Die Geschichte des heiligen Martin interpretiert sie so, dass es mit einem Schwert gar nicht möglich gewesen wäre den Stoff durchzuschneiden. Außerdem hätten bei einer Teilung beide gefroren: der Soldat und der Bettler hätten sich nicht voll einwickeln können, um vor der Kälte geschützt zu sein.
Gewand nimmt auch den Geruch seines Trägers an. Früher wurden Anzüge nicht gereinigt. Nur gelüftet und ausgebürstet. Der Geruch blieb im Stoff. Monika Helfer erinnert sich, dass sie ihre Onkeln am Geruch erkannte.
Im Kapitel „Genähte Erinnerungen“ erfährt man, was die Autorin ihren Kindern und ihrem Mann genäht hatte. Welcher Verwandte bei der Hochzeit was getragen hat und was man den Verstorbenen angezogen hat. Der Ehemann mag extravagantes aber nicht so gern: „Ich würde gern meinen Mann ausstatten. Er mag es nicht gern extravagant.“ (Seite 39) Die Jeans, die ihre Tochter nach einem Bergunfall, bei dem sie starb, trug, hatte sie mit Ehemann Michael unter einem Apfelbaum begraben. Einem Apfelbaum, auf den Paula, die Tochter, nach der Erstkommunion mit ihrem Tüllkleid geklettert war.
Köhlmeier und Helfer, das Dichterehepaar, sind heute anerkannte und erfolgreiche Schriftsteller. Aber auch ihnen ging es einmal nicht so gut. Monika erinnert sich: „Wir waren arm, zwei junge, erfolglose Schriftsteller, wollten aber Freiberufler bleiben. Vier Kinder, freiwillige Krankenversicherung, kein Urlaub, kein Weihnachtsgeld. (Seite 55)
Am Ende des Buches stellt sie bereits das nächste Thema in Aussicht: „Noch nicht besprochen wurde der Knopf. Aber das ist ein anderes Thema. Reißverschluss und Zippverschluss sind großartige Erfindungen, unter dem Aspekt der Schönheit betrachtet aber Schritte zurück …“ (Seite 59)

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    Vieles hat sie selbst geschneidert oder aus alten Sachen umgeändert. Monika Helfer liebte selbstentworfene Kleider. Stangenware verabscheute sie. Einerseits wegen der Kosten und andererseits, weil es andere das Gleiche tragen konnten. 
    Im Kapitel „Die Magie der Stoffe“, erfährt man von ihrer Liebe zu Textilien und dass sie diese gesammelt hat. Bei der Besitzerin eines Kurzwarengeschäfts bekam sie oft Stoffreste geschenkt. Sie schnitt daraus jeweils ein Stück in der Größe von zehn mal zehn Zentimeter heraus und klebte sie in ein Schulheft. Für sie waren Stoffe ein Sammelobjekt. Die Hefte zum Einkleben hatte sie mit Geld, das sie der Großmutter gestohlen hatte, gekauft. Von der Großmutter hatte sie die Idee eines Stoffbuchs. Diese hatte es als junges Mädchen von einer Frau bekommen, bei der sie gearbeitet hatte. Die Großmutter hatte immer glücklich gelächelt, wenn sie einen schönen Stoff sah oder berührte. Als die Arbeitgeberin ihr das Stoffbuch gab sagte sie: „Weil ich nie so ein glückliches Gesicht gesehen habe wie deines. Das verdient die Welt gar nicht.“ (Seite 22)
    Die Geschichte des heiligen Martin interpretiert sie so, dass es mit einem Schwert gar nicht möglich gewesen wäre den Stoff durchzuschneiden. Außerdem hätten bei einer Teilung beide gefroren: der Soldat und der Bettler hätten sich nicht voll einwickeln können, um vor der Kälte geschützt zu sein.
    Gewand nimmt auch den Geruch seines Trägers an. Früher wurden Anzüge nicht gereinigt. Nur gelüftet und ausgebürstet. Der Geruch blieb im Stoff. Monika Helfer erinnert sich, dass sie ihre Onkeln am Geruch erkannte. 
    Im Kapitel „Genähte Erinnerungen“ erfährt man, was die Autorin ihren Kindern und ihrem Mann genäht hatte. Welcher Verwandte bei der Hochzeit was getragen hat und was man den Verstorbenen angezogen hat. Der Ehemann mag extravagantes aber nicht so gern: „Ich würde gern meinen Mann ausstatten. Er mag es nicht gern extravagant.“ (Seite 39) Die Jeans, die ihre Tochter nach einem Bergunfall, bei dem sie starb, trug, hatte sie mit Ehemann Michael unter einem Apfelbaum begraben. Einem Apfelbaum, auf den Paula, die Tochter, nach der Erstkommunion mit ihrem Tüllkleid geklettert war.
    Köhlmeier und Helfer, das Dichterehepaar, sind heute anerkannte und erfolgreiche Schriftsteller. Aber auch ihnen ging es einmal nicht so gut. Monika erinnert sich: „Wir waren arm, zwei junge, erfolglose Schriftsteller, wollten aber Freiberufler bleiben. Vier Kinder, freiwillige Krankenversicherung, kein Urlaub, kein Weihnachtsgeld. (Seite 55)
    Am Ende des Buches stellt sie bereits das nächste Thema in Aussicht: „Noch nicht besprochen wurde der Knopf. Aber das ist ein anderes Thema. Reißverschluss und Zippverschluss sind großartige Erfindungen, unter dem Aspekt der Schönheit betrachtet aber Schritte zurück …“ (Seite 59)
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