Der Pole

COETZEE, John Maxwell: Der Pole. 2024.

Abstract

COETZEE, John Maxwell: „Der Pole“, Frankfurt 2023
Der Autor des Buches erhielt 2003 den Nobelpreis. Er ist in Kapstadt geboren und lebt in Australien. Im vorliegenden Roman schreibt er über einen polnischen Pianisten, der sich in eine spanische Frau verliebt, die diese Liebe aber nicht erwidert.
Im Roman spricht der Autor nur vom „Polen“ und begründet das damit, dass der Name Witold Walczykiewicz für andere Sprachen sehr schwer auszusprechen sei. Der Pole ist ein anerkannter Chopin Interpret und wurde von einem Musikverein nach Barcelona eingeladen. „Er ist Pole, ein siebzigjähriger Mann, ein robuster Siebzigjähriger, Konzertpianist, am bekanntesten als Chopin-Interpret, aber ein umstrittener Interpret: Sein Chopin ist überhaupt nicht romantisch, sondern im Gegenteil ein wenig asketisch, Chopin als Erbe von Bach. Insofern ist er eine Kuriosität in der Konzertszene, kurios genug, um eine kleine, doch kenntnisreiche Zuhörerschar in Barcelona anzuziehen.“ (Seite 10) In einer Diskussion meint er, dass Chopin, hätte er länger gelebt, nach Polen zurückgegangen wäre. „Junge Männer“ – so meinte er – „sind zu Hause nicht glücklich. Sie suchen die Abenteuer.“ Chopin sei für die heutige Gesellschaft wichtig, „weil er uns etwas über uns mitteilt. Über unsere Sehnsüchte. Die uns manchmal nicht bewusst sind. Manchmal sehnen wir uns nach etwas, was wir nicht haben können. Was für uns unerreichbar ist.“ (Seite 26)
Mit großer Sachkenntnis wird der Verein als Veranstalter klassischer Konzerte mit seinen Problemen beschrieben. „Der Konzertkreis, dessen Publikum schwindet, da Stammbesucher alt und krank werden. Die Zuwendung, die der Kreis von der Stadt erhält, soll um die Hälfte gekürzt werden (finanzielle Engpässe) – sie werden ihr Programm von zehn Konzerten pro Jahr auf sechs kürzen müssen.“ (Seite 93)
Der Roman wird aus der Sicht einer Frau – Beatriz – beschrieben. Nicht der „Pole“ ist die Hauptfigur des Romans, sondern die Frau erzählt die Geschichte dem Leser. Sie ist Mitglied des Kuratoriums des Vereins. Gemeinsam mit ihrer Freundin – ebenfalls eine Förderin der klassischen Musik – sollen sie sich um die Betreuung des polnischen Künstlers kümmern, doch die Freundin sagt kurzfristig ab, wodurch die in gesellschaftlichen Dingen weniger geübte Beatriz die Betreuung übernehmen muss. Beatriz ist 1967 geboren, also 24 Jahre jünger als der Pianist. Sie ist verheiratet, hat zwei Söhne und einen gut situierten Mann. Ihr Eheleben wird gesellschaftlich aufrechterhalten. Beatriz meistert die Betreuung sachlich und kompetent, aber nachher kommen viele Mails, in denen der Pole ihr erklärt, dass er sie liebe und verehre. Ja, er lädt sie ein mit ihm nach Brasilien zu fliegen, wo er einen Konzerttermin habe. Sie hat aber keine Gefühle für ihn und so eine Reise kommt für sie nicht in Frage. Sie spricht darüber auch offen mit ihrem Mann. Damit denkt sie, sei die Sache erledigt.
Der Pianist wird später zum Chopin Festival nach Valldemossa eingeladen. Wieder meldet er sich und will sie treffen. Die Familie besitzt ein Haus auf Mallorca und Beatriz fährt mit ihrem Mann hin. Er muss aus dienstlichen Gründen früher zurück. Beatriz bleibt und lädt den Pianisten in ihr Haus ein. Sie bringt ihn für eine Woche in einem Nebengebäude unter und versucht ihn auf Distanz zu halten, aber letztlich schläft er doch bei ihr. Sie tat es aus Mitleid dem alten Mann gegenüber und war froh, als er abreiste.
Sie geht wieder ihrer Arbeit für den Konzertkreis in Barcelona nach und vermisst den Pianisten aus Polen nicht, bis sie einen Anruf aus Deutschland bekommt, in dem ihr die Tochter des Pianisten dessen Tod mitteilt. Er habe auch ihr ein Vermächtnis hinterlassen. Sie versucht das Paket zu bekommen, fliegt dann aber selbst nach Warschau, um es zu holen. Es sind 80 Gedichte, die ihr gewidmet sind. Zuerst versucht sie diese selbst mit einem Übersetzungsprogramm vom Polnischen ins Spanische zu bringen, beauftragt letztlich aber eine Dolmetscherin. Es sind mittelmäßige Gedichte und sie überlegt sie dem Chopin-Museum in Polen oder der Nationalbibliothek zu schenken. Beim Lesen kommt er ihr aber näher. Die Gedichte wurden geschrieben, als er dem Tod bereits ins Auge schaute. Seine Liebe dokumentiert er in diesen Gedichten und stellt in Aussicht, dass er sie nach dem Tod in der nächsten Welt treffen werde.
Die Gedichte bleiben – außer in diesem Buch – unveröffentlicht und in anonymen Briefen, die sie an den Toden schreibt, distanziert sie sich von ihm.
Erstaunlich, mit welcher Sachkenntnis ein südafrikanischer Schriftsteller die Szene der klassischen Musik und jener Chopins beschreibt. Seine Mutter hatte aber deutsche und polnische Vorfahren, worin vielleicht das Interesse am Thema für diesen Roman lag. Coetzees Romane sind nicht umfangreich – so auch der vorliegende Roman „Der Pole“.

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    Im Roman spricht der Autor nur vom „Polen“ und begründet das damit, dass der Name Witold Walczykiewicz für andere Sprachen sehr schwer auszusprechen sei. Der Pole ist ein anerkannter Chopin Interpret und wurde von einem Musikverein nach Barcelona eingeladen. „Er ist Pole, ein siebzigjähriger Mann, ein robuster Siebzigjähriger, Konzertpianist, am bekanntesten als Chopin-Interpret, aber ein umstrittener Interpret: Sein Chopin ist überhaupt nicht romantisch, sondern im Gegenteil ein wenig asketisch, Chopin als Erbe von Bach. Insofern ist er eine Kuriosität in der Konzertszene, kurios genug, um eine kleine, doch kenntnisreiche Zuhörerschar in Barcelona anzuziehen.“ (Seite 10) In einer Diskussion meint er, dass Chopin, hätte er länger gelebt, nach Polen zurückgegangen wäre. „Junge Männer“ – so meinte er – „sind zu Hause nicht glücklich. Sie suchen die Abenteuer.“ Chopin sei für die heutige Gesellschaft wichtig, „weil er uns etwas über uns mitteilt. Über unsere Sehnsüchte. Die uns manchmal nicht bewusst sind. Manchmal sehnen wir uns nach etwas, was wir nicht haben können. Was für uns unerreichbar ist.“ (Seite 26)
    Mit großer Sachkenntnis wird der Verein als Veranstalter klassischer Konzerte mit seinen Problemen beschrieben. „Der Konzertkreis, dessen Publikum schwindet, da Stammbesucher alt und krank werden. Die Zuwendung, die der Kreis von der Stadt erhält, soll um die Hälfte gekürzt werden (finanzielle Engpässe) – sie werden ihr Programm von zehn Konzerten pro Jahr auf sechs kürzen müssen.“ (Seite 93)
    Der Roman wird aus der Sicht einer Frau – Beatriz – beschrieben. Nicht der „Pole“ ist die Hauptfigur des Romans, sondern die Frau erzählt die Geschichte dem Leser. Sie ist Mitglied des Kuratoriums des Vereins. Gemeinsam mit ihrer Freundin – ebenfalls eine Förderin der klassischen Musik – sollen sie sich um die Betreuung des polnischen Künstlers kümmern, doch die Freundin sagt kurzfristig ab, wodurch die in gesellschaftlichen Dingen weniger geübte Beatriz die Betreuung übernehmen muss. Beatriz ist 1967 geboren, also 24 Jahre jünger als der Pianist. Sie ist verheiratet, hat zwei Söhne und einen gut situierten Mann. Ihr Eheleben wird gesellschaftlich aufrechterhalten. Beatriz meistert die Betreuung sachlich und kompetent, aber nachher kommen viele Mails, in denen der Pole ihr erklärt, dass er sie liebe und verehre. Ja, er lädt sie ein mit ihm nach Brasilien zu fliegen, wo er einen Konzerttermin habe. Sie hat aber keine Gefühle für ihn und so eine Reise kommt für sie nicht in Frage. Sie spricht darüber auch offen mit ihrem Mann. Damit denkt sie, sei die Sache erledigt.
    Der Pianist wird später zum Chopin Festival nach Valldemossa eingeladen. Wieder meldet er sich und will sie treffen. Die Familie besitzt ein Haus auf Mallorca und Beatriz fährt mit ihrem Mann hin. Er muss aus dienstlichen Gründen früher zurück. Beatriz bleibt und lädt den Pianisten in ihr Haus ein. Sie bringt ihn für eine Woche in einem Nebengebäude unter und versucht ihn auf Distanz zu halten, aber letztlich schläft er doch bei ihr. Sie tat es aus Mitleid dem alten Mann gegenüber und war froh, als er abreiste.
    Sie geht wieder ihrer Arbeit für den Konzertkreis in Barcelona nach und vermisst den Pianisten aus Polen nicht, bis sie einen Anruf aus Deutschland bekommt, in dem ihr die Tochter des Pianisten dessen Tod mitteilt. Er habe auch ihr ein Vermächtnis hinterlassen. Sie versucht das Paket zu bekommen, fliegt dann aber selbst nach Warschau, um es zu holen. Es sind 80 Gedichte, die ihr gewidmet sind. Zuerst versucht sie diese selbst mit einem Übersetzungsprogramm vom Polnischen ins Spanische zu bringen, beauftragt letztlich aber eine Dolmetscherin. Es sind mittelmäßige Gedichte und sie überlegt sie dem Chopin-Museum in Polen oder der Nationalbibliothek zu schenken. Beim Lesen kommt er ihr aber näher. Die Gedichte wurden geschrieben, als er dem Tod bereits ins Auge schaute. Seine Liebe dokumentiert er in diesen Gedichten und stellt in Aussicht, dass er sie nach dem Tod in der nächsten Welt treffen werde.
    Die Gedichte bleiben – außer in diesem Buch – unveröffentlicht und in anonymen Briefen, die sie an den Toden schreibt, distanziert sie sich von ihm. 
    Erstaunlich, mit welcher Sachkenntnis ein südafrikanischer Schriftsteller die Szene der klassischen Musik und jener Chopins beschreibt. Seine Mutter hatte aber deutsche und polnische Vorfahren, worin vielleicht das Interesse am Thema für diesen Roman lag. Coetzees Romane sind nicht umfangreich – so auch der vorliegende Roman „Der Pole“. 
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