Das späte Leben

Bernhard SCHLINK: Das späte Leben. 2023.

Abstract

SCHLINK, Bernhard: „Das späte Leben“, Zürich 2023
Schlink wird 80 Jahre alt. Da ist er prädestiniert über den Tod zu schreiben. Im Alter kommt er ihm näher. Er setzt in diesem Roman dazu einen älteren Mann ein, dem der Arzt Krebs diagnostiziert und er nur mehr einige Monate leben wird können. Er hat eine wesentlich jüngere Frau und einen Sohn, der noch in den Kindergarten geht. Lange überlegt er, wie er es seiner Frau und seinem Sohn sagen soll. Fragen tun sich auf. Was will er noch alles in diesen letzten Lebenstagen machen? Natürlich kommt auch das Thema Gott und seine Existenz auf. Dazu schreibt er seinem Sohn einen Brief, den dieser einmal später, wenn er selbst schon tot ist, lesen kann. Er gesteht, dass er Gott nie gesehen hat. Sein Vater hatte ihn angeblich gesehen, aber nie davon gesprochen. Was kann er seinem Sohn sonst noch hinterlassen? Seine Frau schlug ein Video vor, mit dem er sich nicht anfreunden kann und war sich auch des Themas nicht sicher. Ulla, die Ehefrau, hatte es in einem Film gesehen, wo der verstorbene Vater in einem Video seinem Sohn erklärt, wie er sich rasieren soll. Das war Martin, dem Todeskandidaten, doch zu einfach.
Die Geschichte verschärft sich, als der, dem Tode begegnende Mann feststellt, dass sich seine junge Frau jeden Tag zu Mittag mit einem Freund trifft. Er lauert den beiden auf und stellt fest, dass sie auch lange im Atelier bleiben. Die Frau spricht er darauf aber nicht an. Selbst am Geburtstag der Ehefrau, dem letzten, den er mit ihr feiern kann, gibt sie dem Lover den Vortritt. Der Ehemann hatte ein Fest und einen Ausflug geplant. Der Sohn blieb vom Kindergarten zu Hause, aber die Frau sprach von einem wichtigen Kunden und dass sie erst am späten Nachmittag heimkommen werde. Die beiden lügen sich an und leben in Parallelwelten. Der Ehemann hat, gegen den Willen seiner Frau, Nachforschungen über deren Vater, der die Familie verlassen hatte, angestellt und einen Privatdetektiven beauftragt.
Für den Sohn schreibt er Briefe, in denen er ihm Empfehlungen gibt. Letztlich muss er aber einsehen, dass er über seinen Tod hinaus nicht Ratschläge gegeben kann. „Nur die Lebenden können den Lebenden geben. Die Toten müssen die Toten begraben.“ (Seite 230)
Den Liebhaber der Ehefrau besucht er und spricht mit ihm über das Leben nach seinem Tod. Mit der Frau bricht er das Schweigen und sagt ihr, was er alles weiß. Letztlich fahren sie gemeinsam ans Meer. Er ist schon schwach geworden und sitzt nur mehr im Liegestuhl. „Er wusste, dass er sich im vorletzten Kapitel befand. Er sah es, wenn er sich im Spiegel sah, die Rippen unter der Haut, den eingefallenen Bauch, die dünnen Arme und Beine und das knochige Gesicht mit den hohlen Wangen.“ (Seite 234) Er entschließt sich, den letzten Teil seines Lebens nicht mit seiner Frau und dem Sohn zu verbringen. Sie sollen ihn in besserer Erinnerung behalten. Sein Arzt besorgt ihm einen Platz in einem Hospiz, wo er versorgt wird und sein Sohn und seine Frau in besuchen können, bis er stirbt.
Thematisch erinnert das Buch und sein Thema an „Demnächst“ von Jörg Mauthe, nur das in Schlinks Version der Ausstieg aus dem Leben vom Schriftsteller als nicht involvierter Person geschrieben wurde. Mauthe war selbst der Sterbende und konnte so den letzten Schritt nicht mehr beschreiben.
Es ist ein sehr emotionelles Buch und speziell die letzte Phase der Krebskrankheit hat einen Tiefgang, in dem der Autor seine Qualitäten zeigt. Ich denke, ältere Leser spricht das Buch stärker an als jüngere, aber ohne Emotionen hinterlässt es niemanden.

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    Die Geschichte verschärft sich, als der, dem Tode begegnende Mann feststellt, dass sich seine junge Frau jeden Tag zu Mittag mit einem Freund trifft. Er lauert den beiden auf und stellt fest, dass sie auch lange im Atelier bleiben. Die Frau spricht er darauf aber nicht an. Selbst am Geburtstag der Ehefrau, dem letzten, den er mit ihr feiern kann, gibt sie dem Lover den Vortritt. Der Ehemann hatte ein Fest und einen Ausflug geplant. Der Sohn blieb vom Kindergarten zu Hause, aber die Frau sprach von einem wichtigen Kunden und dass sie erst am späten Nachmittag heimkommen werde. Die beiden lügen sich an und leben in Parallelwelten. Der Ehemann hat, gegen den Willen seiner Frau, Nachforschungen über deren Vater, der die Familie verlassen hatte, angestellt und einen Privatdetektiven beauftragt.
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    Den Liebhaber der Ehefrau besucht er und spricht mit ihm über das Leben nach seinem Tod. Mit der Frau bricht er das Schweigen und sagt ihr, was er alles weiß. Letztlich fahren sie gemeinsam ans Meer. Er ist schon schwach geworden und sitzt nur mehr im Liegestuhl. „Er wusste, dass er sich im vorletzten Kapitel befand. Er sah es, wenn er sich im Spiegel sah, die Rippen unter der Haut, den eingefallenen Bauch, die dünnen Arme und Beine und das knochige Gesicht mit den hohlen Wangen.“ (Seite 234) Er entschließt sich, den letzten Teil seines Lebens nicht mit seiner Frau und dem Sohn zu verbringen. Sie sollen ihn in besserer Erinnerung behalten. Sein Arzt besorgt ihm einen Platz in einem Hospiz, wo er versorgt wird und sein Sohn und seine Frau in besuchen können, bis er stirbt. 
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