Das Fahrrad Dinge des Lebens

Bernhard FLIEHER: Das Fahrrad Dinge des Lebens. 2024.

Abstract

FLIEHER, Bernhard: „Das Fahrrad“, Salzburg Wien 2024
In der Reihe „Dinge des Lebens“ bringt der Residenzverlag Themen über Sachen des täglichen Lebens zur Sprache. Radfahren wird derzeit immer populärer und deshalb soll auch das Fahrrad auf die literarische Bühne kommen. Erstellt wurde es vom Kulturredakteur Bernhard Flieher, dessen journalistisches Fachgebiet zwar Literatur und Popmusik ist, aber als passionierter Radfahrer hat er über sein Fortbewegungsmittel geschrieben. Wobei das Thema doch nicht neu für ihn war, da er schon Reportagen und Kolumnen über das Leben als Radfahrer verfasst hat.
Den Rahmen zum Buch gibt er mit einem Sturz, als er verletzt im Straßengraben liegt und über seine Räder und das Radfahren nachdenkt.
Das Buch ist in drei Abschnitte gegliedert:
• „Fahrradgeschichte(n)“ in der vom ersten Fahrrad des Forstmeisters Karl Freiherr von Drais aus dem Jahr 1817 erzählt wird. Einem Laufrad, das aber schon schneller als eine Postkutsche war. Kopiert wurde schon damals und Engländer bauten das Rad des Forstmeisters nach, verwendeten aber eine schlechte Abbildung, auf der die eingebaute Bremse verdeckt war. So fuhren die Engländer ohne Bremse. Kinder bremsen oft zu spät. So auch Johnnie Dunlop. Der Vater baute ihm für sein Dreirad eine Bremse und Luftgummireifen. Aus dieser vaterschaftlichen Bastelei wurde ein großer Reifenkonzern. Der Engländer Thomas Steven war der Erste, der mit einem Fahrrad – einem Hochrad – die Welt umrundete: 22.000 Kilometer in zwei Jahren. In den 90er Jahren des 19. Jahrhundert kam es in den USA und vielen europäischen Ländern zu einem Fahrrad-Boom. Der 1885 entwickelte Kettenantrieb machte es möglich, dass das Fahrrad zu einem Massentransportmittel wurde. Noch vor Anbruch des 20. Jahrhunderts war die Gangschaltung erfunden und machte die Räder schneller in der Ebene und weniger anstrengend am Berg. Flieher weiß auch zu berichten, dass die Deutsche Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg in Holland vier Millionen Fahrräder beschlagnahmte. Räder, die den deutschen Soldaten dann beim Heranrücken der alliierten Truppen zum rascheren Fliehen halfen. Am Ende der Geschichte Zahlen über Österreich: Sieben Millionen Fahrräder gibt es im Land. Allein 2022 kam eine halbe Million hinzu und lediglich 17.000 wurden gestohlen. Die Aufklärungsquote ist aber niedrig und nur neun Prozent der Bestohlenen bekommen ihr Rad zurück.
• „Fahrradliebe“. Da ist der Autor selbst ein Musterbeispiel. Die Frage, wie viele Fahrräder Jemand besitzen soll beantwortet er so: „N+1“. N ist die Anzahl der Räder, die Jemand schon besitzt und man kann zum Bestand immer ein neues (oder altes) Rad hinzufügen. Ein nie endender Prozess. Bei meinem Nachbarn – einem Radexperten – sehe ich, wie diese Formel wirkt. Er besitzt an die einhundert Räder.
• „Fahrradphilosophie“ Als der Autor nach dem Sturz so im Straßengraben liegt und wartet, dass ihn Jemand entdeckt und Rettung holt, denkt er über vieles nach. So auch über den Bezug zwischen Philosophie und Radfahren. Radfahren kann zum Nachdenken animieren. Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir waren ebenfalls Radfahrer. Die Frage, des „Wohin Fahrens“ stellt sich oft nicht. „Auf dem Fahrrad bleibt, auch wo es kein Ziel gibt, das reine Tun, die bloße Bewegung schön und erfüllend.“ (Seite 45) Das ist auch der wesentliche Unterschied zwischen einem Radprofi und einem Freizeitradler. Freizeitfahrer haben „- egal, ob bei einem halbwegs sportlichen Ausflug oder bei der Fahrt zum Wochenmarkt oder in die Arbeit – einen Vorteil. Sie müssen sich der oberflächlichen Welt des Kommerzes im Leistungssport nicht opfern.“ (Seite 49) Bedingt durch den Klimawandel wird aber Radfahren zu einem Statussymbol. Frei nach dem Motto „Ich trete, also bin ich gut.“
Beim Nachdenkprozess im Straßengraben erzählt der Autor auch von seinem ersten Fahrrad, bis er vom Hubschrauber abgeholt wird. Sogar sein kaputtes Fahrrad wird mitgenommen und im Krankenhaus dem Bruder zur Reparatur übergeben. Sechs Monate muss der Verletzte pausieren. Traurig geht er am inzwischen instandgesetzten Rad vorbei und langsam beginnt er nach einem Rehabilitationsaufenthalt wieder mit dem Radfahren.

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    Den Rahmen zum Buch gibt er mit einem Sturz, als er verletzt im Straßengraben liegt und über seine Räder und das Radfahren nachdenkt. 
    Das Buch ist in drei Abschnitte gegliedert:
    •	„Fahrradgeschichte(n)“ in der vom ersten Fahrrad des Forstmeisters Karl Freiherr von Drais aus dem Jahr 1817 erzählt wird. Einem Laufrad, das aber schon schneller als eine Postkutsche war. Kopiert wurde schon damals und Engländer bauten das Rad des Forstmeisters nach, verwendeten aber eine schlechte Abbildung, auf der die eingebaute Bremse verdeckt war. So fuhren die Engländer ohne Bremse. Kinder bremsen oft zu spät. So auch Johnnie Dunlop. Der Vater baute ihm für sein Dreirad eine Bremse und Luftgummireifen. Aus dieser vaterschaftlichen Bastelei wurde ein großer Reifenkonzern. Der Engländer Thomas Steven war der Erste, der mit einem Fahrrad – einem Hochrad – die Welt umrundete: 22.000 Kilometer in zwei Jahren. In den 90er Jahren des 19. Jahrhundert kam es in den USA und vielen europäischen Ländern zu einem Fahrrad-Boom. Der 1885 entwickelte Kettenantrieb machte es möglich, dass das Fahrrad zu einem Massentransportmittel wurde. Noch vor Anbruch des 20. Jahrhunderts war die Gangschaltung erfunden und machte die Räder schneller in der Ebene und weniger anstrengend am Berg. Flieher weiß auch zu berichten, dass die Deutsche Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg in Holland vier Millionen Fahrräder beschlagnahmte. Räder, die den deutschen Soldaten dann beim Heranrücken der alliierten Truppen zum rascheren Fliehen halfen. Am Ende der Geschichte Zahlen über Österreich: Sieben Millionen Fahrräder gibt es im Land. Allein 2022 kam eine halbe Million hinzu und lediglich 17.000 wurden gestohlen. Die Aufklärungsquote ist aber niedrig und nur neun Prozent der Bestohlenen bekommen ihr Rad zurück. 
    •	„Fahrradliebe“. Da ist der Autor selbst ein Musterbeispiel. Die Frage, wie viele Fahrräder Jemand besitzen soll beantwortet er so: „N+1“. N ist die Anzahl der Räder, die Jemand schon besitzt und man kann zum Bestand immer ein neues (oder altes) Rad hinzufügen. Ein nie endender Prozess. Bei meinem Nachbarn – einem Radexperten – sehe ich, wie diese Formel wirkt. Er besitzt an die einhundert Räder.
    •	„Fahrradphilosophie“ Als der Autor nach dem Sturz so im Straßengraben liegt und wartet, dass ihn Jemand entdeckt und Rettung holt, denkt er über vieles nach. So auch über den Bezug zwischen Philosophie und Radfahren. Radfahren kann zum Nachdenken animieren. Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir waren ebenfalls Radfahrer. Die Frage, des „Wohin Fahrens“ stellt sich oft nicht. „Auf dem Fahrrad bleibt, auch wo es kein Ziel gibt, das reine Tun, die bloße Bewegung schön und erfüllend.“ (Seite 45) Das ist auch der wesentliche Unterschied zwischen einem Radprofi und einem Freizeitradler. Freizeitfahrer haben „- egal, ob bei einem halbwegs sportlichen Ausflug oder bei der Fahrt zum Wochenmarkt oder in die Arbeit – einen Vorteil. Sie müssen sich der oberflächlichen Welt des Kommerzes im Leistungssport nicht opfern.“ (Seite 49) Bedingt durch den Klimawandel wird aber Radfahren zu einem Statussymbol. Frei nach dem Motto „Ich trete, also bin ich gut.“
    Beim Nachdenkprozess im Straßengraben erzählt der Autor auch von seinem ersten Fahrrad, bis er vom Hubschrauber abgeholt wird. Sogar sein kaputtes Fahrrad wird mitgenommen und im Krankenhaus dem Bruder zur Reparatur übergeben. Sechs Monate muss der Verletzte pausieren. Traurig geht er am inzwischen instandgesetzten Rad vorbei und langsam beginnt er nach einem Rehabilitationsaufenthalt wieder mit dem Radfahren.
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