Allein zu Hause

Susanne SCHOLL: Allein zu Hause. 2024.

Abstract

SCHOLL, Susanne: „Allein zu Hause“, Salzburg 2011
Susanne Scholl kann das Schreiben nicht lassen. Auch in ihrer Zeit des offiziellen Ruhestands, schreibt sie weiter. Sie ist eine Journalistin mit Leib und Seele. Sie kann nicht genug davon bekommen und ich kann nicht genug bekommen von ihr zu lesen. So stehen derzeit 11 Bücher in meiner Bibliothek, die ich schon gelesen habe.
Im vorliegenden Buch geht es um Migranten, die nach Österreich kommen. Demnach ist es ein Buch mit Berichterstattungen. Viele der 11 Erzählungen sind aus Zeitungsberichten bekannt. Manche hat sie mit persönlichen Recherchen bereichert und manche Betroffene hat sie selbst aufgesucht und interviewt. Die einzelnen Schicksale sind sehr unterschiedlich.
Im ersten Kapitel wird eine kleine Vorarlberger Gemeinde vor den Vorhang geholt, wo eine kosovarische Familie – der Vater war in Deutschland geboren – abgeschoben werden sollte. Die Familie war integriert. Der Bürgermeister und viele Sympathisanten der Familie engagieren sich.
Die Familie Bersiha wohnte in Graz. Scholl besuchte sie. Sie kamen aus Serbien, waren aber Albaner. Sie sollten abgeschoben werden.
In einem kleinen Häuschen am Stadtrand von Wien besucht Scholl Tahira. Sie wohnt hier mit drei Kindern. Zwei davon sind schon in Wien geboren. Die Mutter flüchtete aus Armenien nach Russland, wo sie aber weiter verfolgt wurde und so nach Wien kam. Die Familie soll nach Aserbaidschan abgeschoben werden, obwohl sie das Land vor zwanzig Jahren verlassen haben und dort keine Bezugspersonen mehr haben.
Leila half der Autorin bei der Betreuung ihrer Zwillinge. Ihre Eltern kamen mit ihr aus Chile, weil sie dort nach dem Militärputsch verfolgt wurden und flüchten mussten. Nach vielen Jahren trifft Scholl Leila wieder. Sie ist erwachsen geworden und hat einen Iraner, der ebenfalls geflüchtet ist, geheiratet. Sie hatten es geschafft in Österreich zu leben, aber – so die Meinung von Leila – voll anerkennen wird man sie nie.
Fahim ist aus Afghanistan und Taxifahrer in Wien. Er hat mit einer Mongolin Kinder. Bevor sie heiraten konnten, wurde sie mit den Kindern nach Ulan Bator abgeschoben.
Ehiro Code kam aus Nigeria. Seine Familie wurde politisch verfolgt. Er wurde verfolgt und dabei angeschossen. Menschen pflegten ihn gesund und er schlug sich nach Europa durch.
Bedingt durch ihre Arbeit als Fernsehreporterin in Russland, kam sie auch mehrmals nach Tschetschenien und hat einen starken Bezug zu den Menschen dort. Daher fehlt auch ein Fall aus dieser Region nicht im Buch. Eine junge Frau, die sich über ein Flüchtlingslager in Polen nach Österreich durchgeschlagen hat.
Julya Rabinowich kam im Alter von sieben Jahren in den 1970er Jahren aus Leningrad nach Wien. Die Familie war jüdisch. Obwohl Julya schon über zwanzig Jahre in Österreich lebt, gilt sie immer noch als Russin. Die Flucht mit dem siebenjährigen Kind war eine spezielle Herausforderung. Man sagte ihr, dass man auf Urlaub fahre. Dafür war dann die Enttäuschung des Kindes, als es sich in ungewohnter Umgebung befand, sehr groß. Als Julya 18 Jahre alt war, schenkte die Mutter dem Vater einen Flug in die alte Heimat nach Sankt Petersburg, wo er nach drei Tagen verstarb.
Schwieriger haben es Immigranten in Österreich, wenn sie eine dunkle Hautfarbe haben. So einen Fall stellt die Autorin mit Woddy aus Ghana vor. Seine Flucht nach Europa war eine Odyssee. Viele ihrer Interviewpartner wollten über die Erlebnisse auf der Flucht nicht sprechen – oder konnten nicht reden.
Am Westbahnhof in Wien landete eine Gruppe junger Nepalesen. Sie kamen aus dem Flüchtlingslager Traiskirchen. Dort gab man ihnen eine Zugkarte und entließ sie aus dem Lager, weil es überbelegt war. Hilflos strandeten sie am Wiener Bahnhof. Hilfsbereite Menschen halfen ihnen weiter. Auch so etwas gab es und wird im Buch aufgezeigt.
Die kurdische Familie Nejats aus dem Irak kam in einer eigenen Erzählung zu Wort. Eine unbeschreibliche Flucht mit drei kleinen Kindern. Mit dem eigenen Auto fuhren sie so lange, als sie Benzin im Tank hatten. Dann blieb das Auto stehen (den Schlüssel dazu hat die Frau noch) und sie mussten zu Fuß weiter. Viele Wochen waren sie unterwegs, bis sie in die Türkei kamen. Die österreichische Botschaft in Ankara anerkannte sie als politische Flüchtlinge. 1991 landeten sie in Wien. Vom Lager in Traiskirchen wurden die Flüchtlinge im Land aufgeteilt. Die Familie Nejat kam nach Kärnten. Sie waren eine der wenigen Ausländer und hatten es schwer, aber sie integrierten sich. Die Kinder schlossen das Gymnasium ab und übersiedelten zum Studium nach Wien, wohin die Eltern nachzogen. Hier in der großen Stadt fiel es ihnen leichter akzeptiert zu leben.
All dies sind Einzelfälle. Sie zeigen, was manchen Menschen passieren kann. Es sind fast ausschließlich negative Beispiele, in denen sich Österreich nicht korrekt verhielt. Sie sind aber keinesfalls repräsentativ.
In einem abschließenden Kapitel wird die rechtliche Situation zusammengefasst. Flüchtlingsrecht ist ein internationales Recht, an das sich jedes Land halten muss. Es entstand in der Flüchtlingssituation nach dem Zweiten Weltkrieg. Darin wird unterschieden zwischen
• einem Wirtschaftsflüchtling
und
• einem politisch Verfolgten.
Jemand der wegen Armut und Hunger flüchtet ist nach diesem Recht kein Asylbedürftiger.
Der Zugang und das Verhalten der Österreicher haben sich aber im Laufe der Zeit verändert.
• 1956, als Ungarn rebellierte und sich gegen die kommunistische Vormachtstellung erhob, griff die sowjetische Armee ein. Viele sind nach Österreich geflüchtet. Die Flüchtlingsgesetze spielten damals keine Rolle. Die Leute wurden aufgenommen und man half ihnen.
• Auch 1968 war die Hilfebereitschaft groß, als der Prager Frühling von der sowjetischen Armee niedergeschlagen wurde. Erstmals wurde ein österreichisches Asylgesetz ausgearbeitet.
• In den 1970er Jahren kamen kleinere Flüchtlingsgruppen nach dem Militärputsch aus Chile, Juden aus der Sowjetunion und Iraner, die vor dem Schah-Regime flüchteten nach Österreich.
• 1989 fiel der Eiserne Vorhang und erstmals kam es zu Veränderungen. Die österreichischen Arbeitnehmervertretungen verbreiteten Angst, dass die billigen Arbeitskräfte aus dem Osten den Österreichern ihre Jobs nehmen könnten.
• Die heutige Asylgesetzgebung begann dann während des Kosovo- und Bosnienkrieges. Man machte keine Einzelprüfungen wie heute, weil man annahm, dass die Geflüchteten weiterziehen würden. Als man merkte, dass sie bleiben, erhielten sie nicht den Flüchtlingsstatus, aber das Aufenthaltsrecht. Damals entstanden erste NGOs, die den Flüchtlingen halfen.
• Ab dem Jahr 2000 werden die Gesetze verschärft und ein Asyl kann ein Geflüchteter nur mit Anwaltshilfe durchsetzen.
Das Buch endet sehr einseitig mit einer Korrespondenz der Autorin mit führenden Politikern. Diese zeigt die rechtliche Situation aus Sicht der Regierung und das Unverständnis jener, die den Gestrandeten helfen wollen.

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    Im vorliegenden Buch geht es um Migranten, die nach Österreich kommen. Demnach ist es ein Buch mit Berichterstattungen. Viele der 11 Erzählungen sind aus Zeitungsberichten bekannt. Manche hat sie mit persönlichen Recherchen bereichert und manche Betroffene hat sie selbst aufgesucht und interviewt. Die einzelnen Schicksale sind sehr unterschiedlich.
    Im ersten Kapitel wird eine kleine Vorarlberger Gemeinde vor den Vorhang geholt, wo eine kosovarische Familie – der Vater war in Deutschland geboren – abgeschoben werden sollte. Die Familie war integriert. Der Bürgermeister und viele Sympathisanten der Familie engagieren sich.
    Die Familie Bersiha wohnte in Graz. Scholl besuchte sie. Sie kamen aus Serbien, waren aber Albaner. Sie sollten abgeschoben werden.
    In einem kleinen Häuschen am Stadtrand von Wien besucht Scholl Tahira. Sie wohnt hier mit drei Kindern. Zwei davon sind schon in Wien geboren. Die Mutter flüchtete aus Armenien nach Russland, wo sie aber weiter verfolgt wurde und so nach Wien kam. Die Familie soll nach Aserbaidschan abgeschoben werden, obwohl sie das Land vor zwanzig Jahren verlassen haben und dort keine Bezugspersonen mehr haben.
    Leila half der Autorin bei der Betreuung ihrer Zwillinge. Ihre Eltern kamen mit ihr aus Chile, weil sie dort nach dem Militärputsch verfolgt wurden und flüchten mussten. Nach vielen Jahren trifft Scholl Leila wieder. Sie ist erwachsen geworden und hat einen Iraner, der ebenfalls geflüchtet ist, geheiratet. Sie hatten es geschafft in Österreich zu leben, aber – so die Meinung von Leila – voll anerkennen wird man sie nie. 
    Fahim ist aus Afghanistan und Taxifahrer in Wien. Er hat mit einer Mongolin Kinder. Bevor sie heiraten konnten, wurde sie mit den Kindern nach Ulan Bator abgeschoben. 
    Ehiro Code kam aus Nigeria. Seine Familie wurde politisch verfolgt. Er wurde verfolgt und dabei angeschossen. Menschen pflegten ihn gesund und er schlug sich nach Europa durch. 
    Bedingt durch ihre Arbeit als Fernsehreporterin in Russland, kam sie auch mehrmals nach Tschetschenien und hat einen starken Bezug zu den Menschen dort. Daher fehlt auch ein Fall aus dieser Region nicht im Buch. Eine junge Frau, die sich über ein Flüchtlingslager in Polen nach Österreich durchgeschlagen hat. 
    Julya Rabinowich kam im Alter von sieben Jahren in den 1970er Jahren aus Leningrad nach Wien. Die Familie war jüdisch. Obwohl Julya schon über zwanzig Jahre in Österreich lebt, gilt sie immer noch als Russin. Die Flucht mit dem siebenjährigen Kind war eine spezielle Herausforderung. Man sagte ihr, dass man auf Urlaub fahre. Dafür war dann die Enttäuschung des Kindes, als es sich in ungewohnter Umgebung befand, sehr groß. Als Julya 18 Jahre alt war, schenkte die Mutter dem Vater einen Flug in die alte Heimat nach Sankt Petersburg, wo er nach drei Tagen verstarb. 
    Schwieriger haben es Immigranten in Österreich, wenn sie eine dunkle Hautfarbe haben. So einen Fall stellt die Autorin mit Woddy aus Ghana vor. Seine Flucht nach Europa war eine Odyssee. Viele ihrer Interviewpartner wollten über die Erlebnisse auf der Flucht nicht sprechen – oder konnten nicht reden. 
    Am Westbahnhof in Wien landete eine Gruppe junger Nepalesen. Sie kamen aus dem Flüchtlingslager Traiskirchen. Dort gab man ihnen eine Zugkarte und entließ sie aus dem Lager, weil es überbelegt war. Hilflos strandeten sie am Wiener Bahnhof. Hilfsbereite Menschen halfen ihnen weiter. Auch so etwas gab es und wird im Buch aufgezeigt.
    Die kurdische Familie Nejats aus dem Irak kam in einer eigenen Erzählung zu Wort. Eine unbeschreibliche Flucht mit drei kleinen Kindern. Mit dem eigenen Auto fuhren sie so lange, als sie Benzin im Tank hatten. Dann blieb das Auto stehen (den Schlüssel dazu hat die Frau noch) und sie mussten zu Fuß weiter. Viele Wochen waren sie unterwegs, bis sie in die Türkei kamen. Die österreichische Botschaft in Ankara anerkannte sie als politische Flüchtlinge. 1991 landeten sie in Wien. Vom Lager in Traiskirchen wurden die Flüchtlinge im Land aufgeteilt. Die Familie Nejat kam nach Kärnten. Sie waren eine der wenigen Ausländer und hatten es schwer, aber sie integrierten sich. Die Kinder schlossen das Gymnasium ab und übersiedelten zum Studium nach Wien, wohin die Eltern nachzogen. Hier in der großen Stadt fiel es ihnen leichter akzeptiert zu leben. 
    All dies sind Einzelfälle. Sie zeigen, was manchen Menschen passieren kann. Es sind fast ausschließlich negative Beispiele, in denen sich Österreich nicht korrekt verhielt. Sie sind aber keinesfalls repräsentativ. 
    In einem abschließenden Kapitel wird die rechtliche Situation zusammengefasst. Flüchtlingsrecht ist ein internationales Recht, an das sich jedes Land halten muss. Es entstand in der Flüchtlingssituation nach dem Zweiten Weltkrieg. Darin wird unterschieden zwischen
    •	einem Wirtschaftsflüchtling 
    und
    •	einem politisch Verfolgten.
    Jemand der wegen Armut und Hunger flüchtet ist nach diesem Recht kein Asylbedürftiger.
    Der Zugang und das Verhalten der Österreicher haben sich aber im Laufe der Zeit verändert.
    •	1956, als Ungarn rebellierte und sich gegen die kommunistische Vormachtstellung erhob, griff die sowjetische Armee ein. Viele sind nach Österreich geflüchtet. Die Flüchtlingsgesetze spielten damals keine Rolle. Die Leute wurden aufgenommen und man half ihnen.
    •	Auch 1968 war die Hilfebereitschaft groß, als der Prager Frühling von der sowjetischen Armee niedergeschlagen wurde. Erstmals wurde ein österreichisches Asylgesetz ausgearbeitet.
    •	In den 1970er Jahren kamen kleinere Flüchtlingsgruppen nach dem Militärputsch aus Chile, Juden aus der Sowjetunion und Iraner, die vor dem Schah-Regime flüchteten nach Österreich.
    •	1989 fiel der Eiserne Vorhang und erstmals kam es zu Veränderungen. Die österreichischen Arbeitnehmervertretungen verbreiteten Angst, dass die billigen Arbeitskräfte aus dem Osten den Österreichern ihre Jobs nehmen könnten.
    •	Die heutige Asylgesetzgebung begann dann während des Kosovo- und Bosnienkrieges. Man machte keine Einzelprüfungen wie heute, weil man annahm, dass die Geflüchteten weiterziehen würden. Als man merkte, dass sie bleiben, erhielten sie nicht den Flüchtlingsstatus, aber das Aufenthaltsrecht. Damals entstanden erste NGOs, die den Flüchtlingen halfen.
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